Geschichte des OV Mühldorf

Das Jahr 1952.

Seit Jahren herrscht Frieden in Deutschland - längst sind die letzten Kriegsgefangenen noch nicht nach Hause zurückgekehrt; die Spuren des Krieges sind augenscheinlich. Auch wenn die allgemeine Sehnsucht nach Frieden in der Bevölkerung vorherrschte - Das politische Handeln der Weltmächte zieht Deutschland ins Zentrum der Weltpolitik- militärische und zivile Verteidigungskonzepte werden intensiv und tagesaktuell diskutiert.

Die erste Bild-Zeitung kommt auf den Markt.

Die Gründung der Bundesanstalt THW geschieht...

Ein Erfolgsrezept: verantwortliche technisch versierte Beamte in Stadt und Kreisbehörden werden als Fürsprecher und Multiplikatoren für die Idee THW gewonnen;

In Mühldorf gründet Kreisbaumeister Franz Eggerndorfer am 15. Oktober den THW-Ortsverband Mühldorf

Und wird somit als 1. Ortsbeauftragter bestellt.

Untergebracht wurden der neugegründete OV in der damaligen Flussmeisterstelle oberhalb der Innbrücke.

Die Ausstattung war zu diesem Zeitpunkt noch sehr spärlich. Sie beschränkte sich auf einige Kleinteile und ein selbstgebautes Holzboot.

Fahrzeuge waren damals keine vorhanden. Für ganz Bayern waren drei GKW beim Landesverband in München stationiert. 1953 präsentierte sich der OV damit auf dem Volksfestplatz in Mühldorf

Ihren ersten Einsatz absolvierten die Männer im Sommer 53 beim Hochwasser in Aschau/Inn.

Im Juni 54 wurde der OV mit 20 Helfern bei der Hochwasserkatastrophe im LKR Mühldorf in Orten Schwindegg, Neumarkt, Ampfing und Grünbach eingesetzt.

Der Volksaufstand in Ungarn 1956 bescherte dem OV den ersten Auslandseinsatz. Das THW-Mühldorf beteiligte sich mit den Helfern Franz Schubert und Alois Wilhelm am Aufbau von Gebäuden im Camp Roeder in Salzburg. Das Camp nahm Flüchtlinge des Volksaufstandes auf.

Während Fidel-Castro 1959 in Havanna das Batista-Regime stürzte bauten die Mühldorfer Helfer an Ihrem ersten eigenen Motorboot.

Die erste Probefahrt fand am 30.08.1959 auf dem Inn statt.

1960 war es dann so weit, der OV erhielt sein erstes eigenes Fahrzeug. Einen Opel Blitz GKW. 1960 stand auch schon der erste Umzug an. Die Helfer hatten in Eigenleistung aus Teilen einer Krankenhausbaracke zwischen Rennbahn und Inn Ihre erste eigene Unterkunft erstellt

Der OV hatte einige Einsätze, z.B. bei der Wirbelsturmkatastrophe in Ganghofen im Mai 61

oder bei der Schneekatastrophe im Winter 62/63

Ein besonders großer Einsatz begann nach einem verherrendem Unwetter am 29. August 1964.

Am Volksfestplatz in Mühldorf wurden beide Zelte vom Wind umgerissen. Die THWler durchsuchten sofort die Trümmer der beiden Zelte nach verschütteten Personen. Zum Glück hatten sich aber alle noch rechtzeitig ins freie Retten können. Das THW war noch zwei weitere Tage mit Aufräumarbeiten im gesamten LKR beschäftigt

Im Februar 65 wurde der 5. Bergungszug des überörtlichen LSHD aus Ingolstadt nach Mühldorf verlegt. Die Helfer für  diesen Zug stellte komplett das THW-Mühldorf.

Die Integration in den zivilen Bevölkerungsschutz war vollzogen. Mit neuer Ausstattung und Fahrzeugen platzte die Bleibe am Inn aus allen Nähten.

Der nächste Umzug stand an. Das THW errichtete in der Elbestraße 26 eine neue Unterkunft in der auch die Fahrzeuge des LSHD untergebracht wurden. Die Einweihung fand am 18. Juni 65 statt.

Und das sollte nicht der letzte Umzug gewesen sein. Am 15. August 69 auf dem Höhepunkt des Studentenaufstandes in Deutschland erprobten die OV Passau, Rosenheim, Simbach, Altötting, Mühldorf den Aufbau einer Ölstoppleitung über den Inn. Das hatte aber nichts mit den Studenten, sondern vielmehr mit der unter dem Inn verlaufenden Pipelini zu tun. Kurz zuvor am 20.Juli 69 versammelte sich die Welt vor den Fernsehschirmen um der ersten Mondlandung beizuwohnen.

Im Januar 70 startete der OV zu einem weiteren Auslandseinsatz nach Banja Luka in Jugoslawien. Banja Luka wurde zuvor von einem schweren Erdbeben zu 75% zerstört.

Die Helfer bauten dort mehrere Fertighäuser die dann als Notkrankenhäuser dienten.

1970 ging die Ära Egerndorfer zu Ende. Neuer Ortsbeauftragter wurde Siegfried Inninger. Zum Stellvertreter wurde Alois Wilhelm benannt. Am selben Tag begann auch die Amtszeit von Josef Müller als neuer Geschäftsführer.

Im April 72 errichtete der OV anlässlich des Volkswandertages einen Fußgängersteg über den Inn bei Starkheim. Während dieser Arbeiten wurde der THW-Stein aufgestellt. Legendäre Brückenschläge mit abendlichen Festbetrieb für Helfer und kommunaler Prominenz fanden in den abgelegenen Innauen statt. Noch heute finden an dieser Stelle Lager und Übungen statt.

Am 5. November 73 wurde der Fernmeldezug des LSHD dem THW eingegliedert. Einige der damaligen Helfer sind noch heute aktiv im THW beteiligt.

Der Sep 75 ist ein Meilenstein in der Geschichte des Ortsverbandes. Der OV gründete als einer der ersten eine Jugendgruppe. Die erste Veranstaltung war ein Jugendlager am THW-Stein. Die Jugendlichen waren damals hauptsächlich Söhne von Helfern.

1978 war es dann wieder einmal so weit. Umzug Nummer 3 stand an. Die Helfer begannen mit der Renovierung des ehemaligen Straßenbauhofes in der Färberstraße 13 in Altmühldorf.

Die Umbaumaßnahmen dauern bis heute an.

Natürlich baute der Ortsverband nicht nur. Am 18. November 81 wurde der Fernmeldezug und der Verpflegungstrupp beim Papstbesuch in Altötting eingesetzt und im Januar 81 rückten die Männer zu einem weiteren Auslandseinsatz ab. Der Grund für den Einsatz war ein verherrendes Erdbeben in Süditalien. 13 Helfer des OV Mühldorf errichteten dort 2 Fertighäuser als neue Unterkunft für 2 Familien die alles verloren hatten. Eines der Häuser wurde aus Mühldorfer Spenden und das zweite vom Rotarier Club Mühldorf finanziert.

Im Januar 1982 beendete Siegfried Inninger seine Amtszeit und Alois Wilhelm wurde zum Ortsbeauftragten ernannt. Zu seinem Stellvertreter wurde Günther Bartesch bestimmt. Alois Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt bereits 28 Jahre tonangebendes Mitglied im Ortsverband.

Unter Wilhelm erreichte der OV seine maximale STAN-Stärke. 1984 wurde mit der Aufstellung des Instandsetzungszuges und der Ponton-Gruppe begonnen. Der OV hatte damit eine Helferstärke von ca. 120 Mann.

In den folgenden Jahren absolvierte der OV eine Vielzahl von Einsätzen, z.B. bauten die Helfer nach einem Anschlag auf die Ölpipeline 86 die Ölsperre ein, oder beteiligten sich im April 87 an der Kampfgasräumung im Bunkergelände im Mettenheimer Wald. 1987 rückte der OV allein 3mal zu Einsätzen am Inn-Kanal aus. Nach einem Tankfahrzeugunfall im Juni 88 wurde wiederum die Ölsperre in den Inn eingebaut.

Am 30. September 1988 wurde Herr Alois Wilhelm durch seinen Stellvertreter Günther Bartesch abgelöst. Barteschs Vertreter wurde der damalige Zugführer des FMZ Reiner Burdak.

Alois Wilhelm wurde 1988 die höchste Auszeichnung des THW´s, das Ehrenzeichen in Gold, verliehen.

Am 3. August 89 kam der OV nach einer Explosion der Walzmühle zum Einsatz und im Oktober 89 stellte der OV seine Pontonfähre für Probebohrungen auf dem Inn zur Verfügung.

Kurz darauf am 09.11.1989 ereignete sich das wohl bedeutendste Ereignis in der jüngsten Deutschen Geschichte. Auf einer Pressekonferenz gibt Günther Schabowski bekannt, dass die Reisebeschränkungen für DDR-Bürger aufgehoben werden. In dieser Nacht strömen Ost-Berliner zur Mauer und gelangen in den Westteil der Stadt. Am nächsten Tag beginnen Berliner den anderen Teil Ihrer Stadt zu entdecken. Viele THW-Ortsverbände waren bei der Erstbetreuung der Flüchtlinge intensiv beteiligt.

Im Frühjahr 90 wurde der Ortsverband bis an seine Grenzen hin belastet. Nach den Wirbelstürmen Vivien und Wibke war der OV wochenlang im Einsatz um die Sturmschäden zu beseitigen.

Im August 91 stand der nächste Großeinsatz an. Der Inn und die Isen waren großflächig über die Ufer getreten. Nachdem die Grenzen in den Osten offen waren startete das THW großangelegte Hilfstransporte nach Russland. Im Frühjahr 92 beteiligten sich einige Mühldorfer Helfer an einem Hilfstransport nach Moskau, St. Petersburg und Tallin.

Ein geplanter Hilfstransport, der nur durch Mühldorfer Helfer durchgeführt werden sollte, wurde jedoch kurz darauf wegen Haushaltssperre gestoppt

92 stand den Mühldorfer Helfern ein Großereignis ins Haus. Für 1 Woche schlugen 300 Jugendliche aus Bayern und Görlitz auf dem Unterkunftsgelände an der Färberstrasse Ihre Zelte auf. Bei bestem Wetter und interessanten Ausflugszielen rückten gut gestimmte Jugendliche Mühldorf in den Mittelpunkt des bayerischen THW-Nachwuchses. Gerade auch wegen des guten Essens und der ungezwungenen Lageratmosphäre entwickelte sich die wichtigste Tugend der THW-Zukunft: Das Kennenlernen zwischen den Jugendgruppen

Doch dieses Lager sollte nur die Generalprobe sein. Die Generalprobe für ein Bundesjugendlager, das Maßstäbe setzte:
900 Teilnehmer aus ganz Deutschland – 12 Wettkampfbahnen für den Bundesjugendwettkampf – ca 35 Unterkunftszelte auf dem Mühldorfer Volksfestplatz und wiederum Vollverpflegung aus der Mühldorfer Küche: Alle, die dabei waren können sich noch an dieses einzigartige Ereignis erinnern: Diskostimmung und Probleme mit der Polizeistunde, Bundesjugendwettkampf bei unmenschlicher Hitze, Gespräche und Stimmung bei mediteraner Mitternachtsstimmung – viele Helfer nahmen sich Urlaub – manche bis zu 2 Wochen

Im Jahre 1995 machte die Entspannung in der Ost-West Politik als mittelfristige Folge des Mauerfalls ein Überdenken der Zivilschutzstruktur notwendig. Aus ganz Bayern beteiligten sich Helfer an einer Sternfahrt nach Deggendorf um politischen Mandatsträger der CSU auf die Brisanz der Umstrukturierung hinzuweisen. Aus den unterschiedlichen Zügen des Katastrophenschutzes entwickelt sich der heutige Technische Zug: Bundeseinheitlich identisch die Basiseinheit; spezialisert durch die Fachgruppen:

Mühldorf bewahrt sich durch die Fachgruppen Wassergefahren, Führung / Kommuniaktion und Infrastruktur seine historische gewachsenen Schlüsselqualifikationen. 10 Ortsverbände werden zu einem Geschäftsführerbereich zusammengefasst – jahrelange Kontakte zwischen den Jugendgruppen erleichtern nun das Zusammenwachsen der Ortsverbände.

Trotz Umstrukturierung im hauptamtlichen Bereich verbleibt Mühldorf Standort der Geschäftsstelle

Der Ortsverband Mühldorf baut ein ehemaliges Boot der NVA als Zugboot für die Ölwehr am Inn um – endlich kann sicher und zeitgerecht die Sperre eingezogen werden. Vorbild für zahlreiche Umbauaktionen bundesweit

Das tragische Jahr 1996

Die Umstrukturierungen des OV´s und der Geschäftsstelle machten wieder einmal umfangreiche Umbaumaßnahmen nötig.

Am 24. August 1996 ereignete sich während dieser Umbaumaßnahmen ein tragischer Unfall.  Ortsbeauftragter Reiner Burdak wurde beim Einreißen einer Mauer verschüttet und tödlich verletzt. Knapp einen Monat später verstarb dann am 02.Oktober Alois Wilhelm – nochmals war der Ortsverband wie geschockt. Helfer, Junghelfer und Führungskräfte rückten eng zusammen – es musste weitergehen und es ging weiter.

Andreas Wageneder wurde zum Ortsbeauftragten ernannt. Die Bauarbeiten wurden fertiggestellt. In neuen Büroräumen konnte ein Neubeginn starten – Die EDV „THWin“ wurde eingeführt. Auch wiederholte man im August 1996 nochmal die Jugendfahrt nach Hoya, Hamburg und Wilhelmshaven; was eigentlich der Höhepunkt für die Junghelfer werden sollte wandelte sich im nachhinein als endgültiger Abschied von Reiner Burdak

Das Einsatzgeschehen des Ortsverbandes während des Strukturwandels war auffallend ruhig.

Seit der Mileniumsnacht hat sich das Einsatzgeschehen jedoch wesentlich verändert:

Einsatzbereitschaft (Y2K). Aufgrund des Datumswechsels erwarteten IT-Experten erntzunehmende Folgen für die Bevölkerung bei Verkehrsleitung, Strom. Und Wasserversorgung: bundesweit waren alle THW-Unterkünftebesetzt: man wartete gemeinsam das neue Jahr.
Gleichzeitig startete der größte THW-Auslandseinsatz:  Ca. 600 Helfer rückten nach  Frankreich ab. Dort waren weite Landstriche durch den Sturm Lothar ohne Stromversorgung. Vom Ortsverband Mühldorf waren 6 Helfer 2 Wochen im Einsatz.

Das aufwändigste Umbauprojekt wurde angegriffen: ein ehemaliger Mercedes-Kranwagen des BGS wurde zum Abrollkipper für Container umgebaut: das größte finanzielle Engagement  des Fördervereins.

Andreas Wageneder entschied sich im April 2000, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er wechselte als Nachfolger von Josef Müller in die Geschäftsstelle Mühldorf als Sachbearbeiter Einsatz. Wiederrum musste ein neuer Ortsbeauftragter gefunden werden. Im März 2001 trat Matthias Müller dann dieses Amt an.

Mühldorfer THW-ler in der ganzen Welt:

Klaus Stangl wird zu Brunnensanierungsarbeiten nach Afrika geschickt – Manfred Stöger und Manfred Fischer nehemn an einem Sandsacktransport nach Ungarn teil – Martin Hausner beteiligt sich in Indien an der Instandsetzung von Wasserleitungen

Von Großbritannien drohte sich auch in Deutschland die Maul- und Klauenseuche auszubreiten – Gemeinsam mit Feuerwehr, Landratsamt und Gesundheitsamt fand eine Erprobung möglicher Dekontaminationsverfahren statt – der Saal in der Unterkunft drohte aus allen Nähten zu platzen – das interessiert Publikum kam aus ganz Bayern!

Im August entwickelte sich der größte Inlandseinsatz des THW und die längste Einsatzphase des Ortsverbandes Mühldorf.

Der Hochwassermonat begann am 12. August mit Einsätzen zur Ölwehr am Chiemsee und Einsätzen im Landkreis Traunstein. Aufräum- und Pumparbeiten in Straubing und Passau schlossen sich sofort an. Nachdem sich die Lage in den Bayrischen Hochwassergebieten langsam entspannte spitzte sich die Lage im Osten zu.

Mühldorfer Helfer waren in den Städten  Grimma, Stendal, Hamburg, Magdeburg, Halle an der Saale und in Pirna im Einsatz. Transport und Räumaufgaben in Grimma, nach Magdeburg und Halle wurde ein Fachberater in den KatS-Stab und ein Sachgebietsleiter in eine THW-Führungsstelle entsandt; in Pirna betrieb die Fachgruppe FK die THW Führungsstelle für den Landkreis Sächsische Schweiz. Während der Einsätze war die Unterkunft in Mühldorf fast durchgängig besetzt.

Die Schlagkraft der Bundesanstalt THW hat sich bewiesen – Der Ortsverband Mühldorf ist ein funktionierender Teil davon.

Quelle: Rede zur 50 Jahr Feier